Earthlings: Die Doku, die mich zum Veganer gemacht hat

Ich erinnere mich noch genau an den Abend. Ich saß mit einer Schüssel Popcorn auf dem Sofa, klickte auf "Play" und dachte ehrlich: "Wird schon nicht so schlimm sein." Eineinhalb Stunden später saß ich mit kaltem Popcorn, verheulten Augen und einem Klumpen aus Ohnmacht und Entsetzen in der Brust da. Und habe mich gefragt, in welcher Welt ich eigentlich gelebt habe. Wie der Dokumentarfilm Earthlings mir die Augen öffnete, meine Werte und Haltung auf den Kopf stellte und ich vegan wurde...
earthlings-plakat

Earthlings: Die Dokumentation, nach der ich tagelang nicht mehr sprechen konnte

Der Film heißt „Earthlings“.

  • Regisseur: Shaun Monson.
  • Erzähler: der großartige Joaquin Phoenix. Musik: Moby.
  • Laufzeit: 95 Minuten.
  • Kostenfaktor: dein gesamtes bisheriges Weltbild. (Doku gratis auf YouTube.)

Nach der Doku war ich tagelang wie betäubt. Ich konnte keine Wurst mehr sehen, ohne sofort zu sehen, wie das Tier gelitten hat. Ich konnte nicht mehr an meinem Schuhregal mit Lederschuhen vorbeigehen, ohne an diese Szenen der Tierhaltung und Tierenthäutung in Gerbereien zu denken. Ich konnte nicht mehr in den Zoo, nicht mehr am Zirkuszelt vorbeifahren, nicht mehr in die Apotheke ohne Gedanken an Tierversuche. Ich war einfach… wach. Und verdammt, das tat weh.

Earthlings hat mich vegan gemacht. Buchstäblich über Nacht. Und ich bin nicht allein: Der Film gilt weltweit als „The Vegan Maker“, denn keine andere Doku hat so viele Menschen zum Umdenken gebracht (Quelle: Veggly-Umfrage unter VeganerInnen).

In diesem Beitrag erzähle ich dir, worum es in Earthlings geht, welche fünf Branchen der Film aufdeckt und warum du dich (Warnung vorweg!)gut vorbereiten solltest, wenn du ihn schaust. Und das solltest du, wenn du Tiere liebst.

Worum geht es in Earthlings?

Earthlings ist eine Dokumentation aus dem Jahr 2005 von Shaun Monson, erzählt von Joaquin Phoenix und untermalt von Moby-Musik. Die Kernaussage: Wir sind alle „Earthlings“: Bewohner desselben Planeten, mit denselben Nervensystemen, derselben Schmerzwahrnehmung, derselben Angst vor dem Tod.

Der Film zeigt mit Undercover-Aufnahmen, wie Menschen Tiere in fünf großen Branchen ausbeuten:

  • Haustiere
  • Lebensmittel
  • Kleidung
  • Unterhaltung und
  • Forschung.

Warum macht Earthlings so viele Menschen vegan?

Earthlings macht so viele Menschen vegan, weil der Film zum ersten Mal ungefilterte Realbilder aus allen großen Tiernutzungs-Industrien in einem einzigen Werk zeigt. Statt einzelner Skandalvideos siehst du 95 Minuten ohne Pause. Die Illusion, „so schlimm kann es nicht sein“ oder „das sind nur Einzelfälle, wenn Tiere gequält werden“, zerbricht in Sekunden.

Warum er so effektiv ist:

  • Undercover-Material aus Schlachthöfen, Laboren, Pelzfarmen, Welpenmühlen, Rodeos und Zoos – vieles wurde nie zuvor gezeigt.
  • Joaquin Phoenix erzählt ruhig, präzise, ohne Moralkeule. Er lässt die Bilder sprechen.
  • Moby liefert den Soundtrack: melancholisch, eindringlich, ohne Kitsch.
  • Die Dramaturgie folgt einer klaren These: Speziesismus ist vergleichbar mit Rassismus und Sexismus; also eine willkürliche Hierarchie, mit der wir rechtfertigen, was wir Tieren antun.
  • Laut Veggly-Umfrage ist Earthlings eine der zwei wirksamsten veganen Dokus weltweit; nur Cowspiracy liegt knapp davor.

Joaquin Phoenix selbst sagte über den Film: „Für jede Person, die Earthlings sieht, erzählt sie drei weiteren davon.“

Die 5 Kapitel von Earthlings im Überblick

Earthlings ist in fünf Kapitel unterteilt, eines pro Industrie. Jedes Kapitel zeigt konkrete Praktiken, Ausmaße und Schicksale. 1. Pets: Haustiere & Haustierzucht Schon beim Einstieg sitzt dir das Popcorn im Hals. Der Film zeigt sogenannte Puppy Mills, zu deutsch Welpenmühlen.
  • Hunde, die ihr gesamtes Leben in engen Käfigen verbringen, um Welpen zu „produzieren“.
  • Überzüchtung: Rassehunde mit genetisch bedingten Atemnot, Gelenkschäden, Herzfehlern.
  • Tierheime & Euthanasie: Millionen „überschüssiger“ Tiere werden jedes Jahr eingeschläfert, weil sie niemand will.
  • Zoohandlungen: Welpen und Kätzchen als Ware im Schaufenster.

Mein Aha-Moment: Niedlichkeit ist in dieser Industrie eine Währung,  und die Tiere zahlen den Preis. Sind sie nicht mehr niedlich, werden sie getötet. Durch Vergasung, Ertränkung, Wurf in den Müllcontainer und ähnliches.
2. Food: Massentierhaltung & Schlachtung Das längste und härteste Kapitel. Hier steigen die meisten gedanklich aus dem Fleischkonsum aus. Was der Film zeigt:
  • Rinder: Enthornung ohne Betäubung, Kastration, Kälbertrennung, Schlachtung.
  • Schweine: Kastenstände, Ferkelkastration, Schlachtung in CO₂-Gaskammern.
  • Hühner: Kükentöten, Legebatterien, Masthühner mit deformierten Beinen.
  • Fisch & Meerestiere: Grundschleppnetze, Beifang, Betäubungslose Tötung.
  • Milchindustrie: Trennung von Kuh und Kalb (siehe auch mein eigener Beitrag dazu).

Die Zahl, die hängenbleibt: Weltweit werden jährlich (schon damals 2005) über 80 Milliarden Landtiere für Lebensmittel geschlachtet (Fische und Meerestiere nicht mitgezählt).
3. Clothing: Leder, Pelz & Wolle Der Moment, in dem du auf deine eigenen Klamotten und Schuhe schaust. Was der Film zeigt:
  • Pelzfarmen: Nerze, Füchse, Chinchillas in winzigen Drahtkäfigen, Tötung per Anal-Elektroschock oder Genickbruch.
  • Pelzfallen: Tiere, die tagelang in Eisenfallen auf den Tod warten.
  • Wolle: Mulesing bei Merinoschafen (Herausschneiden von Hautfalten am Hinterteil ohne Betäubung).
  • Leder: Zusammenhang mit Fleischindustrie, lebendig gehäutete Tiere in manchen Ländern dokumentiert.

Mein Aha-Moment: Leder ist kein Nebenprodukt, das bei der Schlachtung für Fleisch anfällt, die Tiere werden extra für ihre Haut gezüchtet. Also Ausbeutung und Tierqual, die ich durch meinen Konsum nicht mehr unterstützen werde.  

Vegane Lederalternativen gesucht?

Wusstest du, dass man Leder zum Beispiel mit Ananasleder, Apfelleder oder Kaktusleder ersetzen kann?

4. Entertainment: Zoo, Zirkus, Stierkampf, Rodeo

Hier beschloss ich, mit meinem Sohn nicht mehr in den Zoo oder Zirkus zu gehen. Was der Film zeigt:

  • Zirkus: Elefanten, Tiger, Bären mit Bullhook, Elektroschocker, Peitsche trainiert.
  • Zoo: Verhaltensstörungen (Zoochosis), stereotypes Hin- und Herlaufen, Frustration.
  • Stierkampf: Blutige Choreografie in Spanien, Portugal, Teilen Lateinamerikas.
  • Rodeo & Pferderennen: Elektroschocker, Gurte um den Bauch, tödliche Stürze.
  • Delfinarien & Jagd: Treibjagden und Gefangenschaft.

Mein persönlicher Aha-Moment: das ist Unterhaltung auf Kosten eines anderen Wesens ist kein Spaß, sondern Ausbeutung und Tierqual, die ich durch meinen Konsum nicht mehr unterstützen werde.

5. Scientific Research – Tierversuche

Das Kapitel, bei dem ich pausieren musste. Hab ich Tage später noch fertig geschaut. Was der Film zeigt:

  • Toxizitätstests: Kosmetika, Chemikalien, Haushaltsprodukte werden in Augen, auf Haut und in Mägen lebender Tiere getestet (Draize-Test, LD50).
  • Medizinische Forschung: Affen, Hunde, Katzen, Mäuse in Laboren.
  • Vivisektion: Operationen an lebenden, teils nicht vollständig betäubten Tieren.
  • Militärische & psychologische Versuche: Hilflosigkeitsexperimente, Verletzungsforschung.

 

Mein Aha-Moment: Viele dieser Tests haben heute valide tierfreie Alternativen, trotzdem werden sie weitergeführt.

Vegane Siegel verstehen

Wie erkennst du, ob ein Produkt komplett vegan ist? Die 10 wichtigsten veganen Siegel und was sie bedeuten.

Ist Earthlings noch aktuell? (Stand 2026)

Ja. Earthlings ist von 2005 – aber leider immer noch erschreckend aktuell. Viele der gezeigten Praktiken sind bis heute legal oder global weiterhin Standard. Was sich geändert hat:

  • Kosmetik-Tierversuche sind in der EU seit 2013 verboten (aber nicht in vielen anderen Ländern).
  • Pelzfarmen wurden in mehreren EU-Ländern verboten (u. a. Deutschland, Österreich, Niederlande) – global existieren sie aber weiter.
  • Kükentöten ist in Deutschland seit 2022 verboten – in den meisten Ländern jedoch weiterhin Standard.
  • Zirkusse mit Wildtieren sind in vielen Ländern verboten oder eingeschränkt – aber keineswegs überall.
  • Massentierhaltung, Fischerei, Jagd, Mulesing, Rodeo, Stierkampf laufen weitgehend wie 2005.

Kurz gesagt: Die Spezies-Hierarchie steht noch. Nur die Sichtbarkeit hat sich erhöht, auch dank Filmen wie Earthlings, Dominion, Cowspiracy und Seaspiracy.

Solltest du Earthlings anschauen?

Ja, definitiv, wenn du ein Herz für andere Lebewesen hast. Aber sei vorbereitet. Earthlings ist kein Abendfilm zum Chillen. Er ist intensiv, schonungslos und zeigt viele Szenen, die emotional belasten können.

Meine Empfehlungen:

  • Nicht allein schauen, wenn es geht. Oder zumindest direkt danach mit jemandem reden können.
  • Nicht müde oder emotional erschöpft schauen.
  • Danach nichts Wichtiges vorhaben. Kein Date, kein Meeting, kein Familienbesuch.
  • Wasser, Taschentücher, Decke bereitlegen. Ich meine das ernst.
  • Pausen machen ist okay. Der Film ist in fünf Kapitel unterteilt, du kannst ihn portionsweise schauen.

 

Häufige Fragen (FAQ) zu Earthlings

Wer hat Earthlings gemacht?
Earthlings wurde von Shaun Monson geschrieben, produziert und geregissert. Erzählt wird der Film von Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix, die Musik komponierte Moby. Veröffentlicht wurde er 2005.

Wie lange dauert Earthlings? 
Earthlings hat eine Laufzeit von ca. 95 Minuten (1 Stunde 35 Minuten).

Ist Earthlings auf Deutsch verfügbar?
Ja. Earthlings existiert in einer deutschen Synchronfassung auf YouTube.

Warum heißt der Film Earthlings? 
Der Titel bedeutet „Erdbewohner“. Die Kernthese: Menschen, Tiere und Natur sind alle Bewohner derselben Erde und sollten auf Augenhöhe behandelt werden. Das Gegenteil davon nennt der Film Speziesismus, also die willkürliche Bevorzugung der eigenen Art, weil wir als Menschen die Macht dazu haben.

Macht Earthlings wirklich vegan?Statistisch gesehen: sehr oft ja. Laut einer Veggly-Umfrage unter VeganerInnen ist Earthlings eine der zwei einflussreichsten veganen Dokumentationen überhaupt. Viele ZuschauerInnen berichten, den Konsum tierischer Produkte innerhalb von Tagen oder Wochen eingestellt zu haben. (Ich persönlich habe den Film schon vielen Menschen empfohlen und habe von Ablehnung, Desinteresse zu Sofort-Veganer alles erlebt.)

Gibt es einen Nachfolger von Earthlings? Ja. Dominion (2018, Regie: Chris Delforce) wird oft als spiritueller Nachfolger bezeichnet, mit Drohnenaufnahmen, aktuellen Bildern und erzählt von Joaquin Phoenix, Rooney Mara, Sia u. a.

Fazit: Hinschauen ist schmerzhaft. Aber nicht so shcmerzhaft wie das, was die Tier erleiden

Ich werde Earthlings nie vergessen. Nicht die Szenen, nicht die Stille danach, nicht das Gefühl, tagelang durch eine Welt zu laufen, die plötzlich anders aussah.

Aber ich bin dankbar. Dankbar, dass ich ihn gesehen habe. Dankbar, dass Shaun Monson diesen Film gemacht hat. Dankbar, dass Joaquin Phoenix seine Stimme gab, obwohl die Bilder schwer zu ertragen waren. Dankbar, dass dieser Film mich aus einer Bequemlichkeit herausgerissen hat, die ich bis dahin für normal hielt.

Schau den Film, wenn du nicht am Leid anderer fühlender Wesen mitmachen willst. Das ist Erwachen. Willkommen im Club.

Bleib verrückt, bleib wach, bleib mitfühlend.
Deine Crazy Vegan Neighbor 💚 Kirsten

Teil diesen Beitrag »