700.000 Babys werden pro Jahr von Deutschland in die Niederlande transportiert, um dort getötet zu werden

Ist das legal? Ja, weil sie Tierbabys sind. In diesem Fall männliche Kälbchen. Was dann passiert, ist legal, industriell und systematisch grausam: sie werden behandelt wie lebender Abfall. Und die meisten Menschen, die täglich Milch oder Milchprodukte verzehren, wissen es nicht.
Kälbchen in Mastbox: 700.000 Kälbchen werden pro Jahr von Deutschland in die Niederlande wegen der dortigen niedrigeren Tierhaltungsstandards transportiert, um dort gemästet und getötet zu werden. (weanimalsmedia.com)

Was dich in diesem Beitrag erwartet

  • Warum Kälber so früh von ihren Müttern getrennt werden
  • Was mit ca. 1,9 Millionen männlichen Kälbern aus deutschen Milchbetrieben jährlich passiert
  • Warum rund 700.000 legal nach 28 Tagen in die Niederlande transportiert werden
  • Unter welchen Bedingungen sie dort leben müssen
  • Warum das Europäische Tierrecht nicht schützt
  • Was du konkret tun kannst

Warum ist die Trennung von Kuh und Kalb Standard?

Kurze Antwort: Weil eine Kuh nur Milch gibt, wenn sie ein Kalb geboren hat, und der Milchbauer mit dieser Milch Profit macht. Deswegen werden Mutter und Kalb oft Getrennt nach 12 Stunden.Und ja, die Kuh geht dann freiwillig zum Melken, weil ihr sonst das Euter platzt.

Ich war selbst bis 2019 eine von denen, die das nicht wusste. Ich habe Milch getrunken, Käse gegessen und gedacht, die Kuh gibt Milch wie das Huhn Eier legt. Ich hatte keine Ahnung, was mit den Tieren passiert, die Milchprodukte erst möglich machen. Dann sah ich die Doku „Cowspiracy“ und es dann gab es kein Zurück mehr. Was ich damals nicht wusste, und was ich heute weiß: Jede Milchwirtschaft produziert Kälber. Und ein großer Teil dieser Kälber, besonders die männlichen, werden so billig wie möglich gehalten, gemästet und geschlachtet, damit der Betreiber Gewinn macht.

Was passiert mit den männlichen Kälbern aus der Milchwirtschaft?

Weibliche Kälber kommen in die nächste Generation der Milchwirtschaft. Sie sind wertvoll für den Besitzer und erleiden das gleiche traurige Schicksal wie ihre Mutter. Männliche Kälber, also Bullenkälber aus der Milchwirtschaft, sind ein „Problem“ für den Bauern. Sie geben keine Milch. Und für die Fleischmast sind Milchrasse-Bullenkälber weniger interessant als reine Fleischrassen. Kurz: die Industrie braucht sie nicht. Also wandern die Kälber dorthin, wo die Auflagen niedriger sind, denn das macht es für den Besitzer billiger.

In Deutschland werden pro Jahr etwa 1,9 Millionen Bullenkälber in der Milchwirtschaft geboren (Quelle nutztierhaltung.de). Für diese „überschüssigen“ Kälber beginnt das Leid direkt nach der Geburt. Getrennt von der Mutter, werden sie im Alter von nur vier Wochen oft über lange Strecken transportiert. In Sammelstellen trennt man die Tiere nach Alter, Gewicht und Geschlecht, bevor Viehhändler sie gebündelt weiterverkaufen. Dabei gilt häufig: Je weniger attraktiv eine Gruppe für die Mast ist, desto länger dauern die Transporte (Quelle: provieh.de).

Wohin werden die Kälbchen gebracht?

Viele der Kälber werden zur Mast in Länder wie die Niederlande, Spanien oder Italien gebracht. Dort hat sich eine besonders intensive und kostengünstige Kälbermast etabliert. Ein kleinerer Teil der Tiere wird weiterhin in Nicht-EU-Staaten wie Usbekistan, Kasachstan, Libyen, Marokko oder die Türkei exportiert. Für die Kälber bedeuten diese Transporte oft enorme Belastungen durch lange Fahrzeiten, schwierige Bedingungen und tierquälerische Haltung vor Ort.

Rund 700.000 Kälber, als knapp die Hälfte der deutschen männlichen Kälbchen aus der Milchwirtschaft, werden in die Niederlande transportiert, wo die (eigentlich europaweit geltenden) Tierhaltungsstandards deutlich niedriger ausgelegt als in Deutschland. Dort werden die Kälber dann unter Bedingungen gehalten, die in Deutschland seit Ende 2023 verboten sind wie z.B. die Haltung auf Betonspaltenböden. 

Ein Milchspender-Lkw fährt zwischen einigen der Tausenden Kälberhütten auf dem Gelände einer riesigen Milchfarm hindurch. Turkey Creek Dairy, Pearce, Arizona, USA, 2023 (weanimalsmedia.com)
Ein Milchspender-Lkw fährt zwischen einigen der Tausenden Kälberhütten auf dem Gelände einer riesigen Milchfarm hindurch.

Behandlung von Kälbern auf Mastfarmen

Noch billiger wird die Aufzucht, weil

  • in diesen Betrieben bis zu 3.000 Tiere gleichzeitig gemästet werden
  • die Kälber vor allem sogenannte Milchaustauscher als Hauptnahrung erhalten. Milchaustauscher sind industriell hergestellte Ersatzprodukte für Kuhmilch. Raufutter wie Stroh, Heu oder Getreide bekommen sie nur in minimalen Mengen. 
  • Das Ziel: das Fleisch soll „weiß“ bleiben, weil es sich dann besser verkauft. Deswegen wird den Wiederkäuern das Kauen verwehrt.
  • Die Folge: gehäuftes Auftreten von Lungenentzündungen, übermäßiger Einsatz von Antibiotika und damit hohe Kälbersterblichkeit. Pneumonie ist die führende Todesursache bei weißen Mastkälbern (Studie auf Springer Nature).
  • Die niederländische Kälbermast gehört übrigens seit Jahren zu den größten Antibiotikaverbrauchern im Vergleich aller Nutztiersektoren (Studie auf National Library of Medicine).
  • ⚠️ Diese Antibiotika nimmt dann natürlich auch dein Körper auf, wenn du dieses Fleisch isst; und kann zu Antibiotika-Resistenz bei der selbst führen (diese Medikamente könnten dann bei dir nicht mehr oder nicht mehr so gut wirken).

Fühlen Kälber, was mit ihnen passiert?

Ja. Das ist wissenschaftlicher Konsens: Rinder, wie alle Tiere mit einem zentralen Nervensystem, fühlen Schmerz. Studien belegen, dass Kühe und Kälber Angst empfinden, soziale Bindungen eingehen und auf Trennung mit messbaren Stressreaktionen reagieren.  Konkrete Studien zu Schmerzempfinden und emotionaler Empfindungsfähigkeit bei Rindern:

  • 2024 D’Silva, Animal Research and One Health: Aktuelle Übersicht zur Tier-Sentience mit besonderem Fokus auf Nutztiere.
  • 2022 Pérez-Manrique & Call, WIREs Cognitive Science: Review zu emotionaler Übertragung (emotional contagion) bei Tieren; belegt, dass Tiere die Emotionen Artgenossen übernehmen, ein Vorläufer von Empathie.
  • 2022 UK Animal Welfare (Sentience) Act: Rechtliche Anerkennung, dass Wirbeltiere, Tintenfische und Dekapoden (z. B. Hummer, Krebse) empfindungsfähig sind.
  • 2012 Cambridge Declaration on Consciousness: Renommierte NeurowissenschaftlerInnen (u. a. Christof Koch, Philip Low, im Beisein von Stephen Hawking) erklären offiziell: Nicht-menschliche Tiere (insbesondere alle Säugetiere, Vögel und viele weitere) besitzen die neurologischen Substrate, die Bewusstsein und Emotion erzeugen.

Ein Kalb, das von seiner Mutter getrennt wird, zeigt Stressreaktionen. Es ruft, es sucht, sein Cortisolspiegel steigt. Das ist keine Emotion, die wir hineinprojizieren, das ist messbar.

Und weißt du, was ich manchmal denke? Wenn wir uns vorstellen würden, dass es Menschenbabys wären, die 12 Stunden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und nach 4 Wochen in LKWs verladen und in Großbetriebe transportiert werden, um dort in beengten Verhältnissen auf Beton zu stehen und mit Ersatznahrung aufgezogen zu werden, damit ihr Fleisch möglichst billig ist: Der Aufschrei wäre weltweIt. Aber weil es Tierbabys sind, ist es legal und gebilligt. 

Was kannst du konkret tun?

Ich sage dir nicht, dass du ab morgen alles anders machen musst. Ich hab selbst 40 Jahre lang gegessen, was in der westlichem Hemisphäre gegessen wird.

Das Wissen, das du jetzt hast, reicht als Anfang. Also: wo anfangen?

Kein Fleisch mehr. Keine Kuhmilch mehr. Greif im Regal zur pflanzlichen Alternative. Das ist der direkteste Schritt. Denn wenn du Produkte aus Tieren kaufst, finanziert du diese Kette. Hafermilch, Sojamilch, Mandeljoghurt gibt es heute in jedem Supermarkt, ohne Tierleid und ohne die Antibiotika-Last dieser Betriebe.

Und dann die Geschichte weitererzählen. Die meisten Menschen, die täglich Milch trinken, kennen sie nicht. Nicht weil sie es nicht wissen wollen. Sondern weil niemand es ihnen erzählt hat und die Profiteure dieser Industrie und ihre Lobby es verschleiern. Mit irreführenden Bildern, die mit der Realität nichts zu tun haben, schönmalen und schönreden. Bis jetzt. Jede Aktivität zählt, auch deine! 

Häufige Fragen (FAQ)

Warum werden deutsche Kälber in die Niederlande transportiert?
Die Niederlande sind der größte Kalbfleischproduzent Europas. Deutsche Kälber werden exportiert, weil die Mast dort günstiger ist, niedrigere Tierschutzstandards gelten und die Aufnahmekapazität in Deutschland begrenzt ist. Deutschland stellt 77 % aller Kälberimporte in die Niederlande.

Ist der Kälbertransport von Deutschland in die Niederlande legal?
Ja, vollständig legal. Er unterliegt der EU-Tiertransportverordnung. Neue Regeln in Deutschland erlauben Transporte ab 28 Tagen Mindestalter. 

Warum sind Betonspaltenböden in Deutschland verboten, aber nicht in den Niederlanden?
Deutschland hat Ende 2023 Betonspaltenböden in der Kälberhaltung verboten. Die EU-Tierschutzrichtlinien setzen Mindeststandards, die die Mitgliedstaaten verschieden auslegen. Die Niederlande wenden diese Minimalstandards niederschwelliger an als Deutschland. 

Fühlen Kälber Schmerz und Trennungsangst?
Ja. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Rinder komplexe emotionale Reaktionen zeigen, darunter messbare Stressreaktionen bei Trennung von der Mutter. Cortisolspiegel, Vokalisation und Verhaltensänderungen sind dokumentierte Indikatoren, siehe Studien weiter oben.

Wie viele Kälber werden in den Niederlanden jährlich geschlachtet?
Mehr als 1,5 Millionen Kälber werden jährlich in den Niederlanden geschlachtet. Rund die Hälfte stammt aus heimischer Haltung, der Rest wird importiert, vor allem aus Deutschland (Quelle: Elite Magazin / RVO, 2021).

Was kann ich als Einzelperson tun?
Keine tierischen Produkte essen, sondern durch pflanzliche Alternativen ersetzen. Das Thema mit anderen Menschen teilen. Petitionen für stärkere EU-Tierschutznormen unterstützen.

Mein Fazit

Circa 700.000 Kälbchen nur aus Deutschland werden pro Jahr in den Niederlanden geschlachtet. Um die sowieso schon geringen deutschen Tierschutzstandards legal zu umgehen. Das ist kein Skandal, der in dunklen Hinterzimmern passiert. Das ist das Geschäftsmodell. Das Tier am anderen Ende dieser Kette fühlt Angst, Schmerz. Einsamkeit, genauso wie du und ich. Hilf mit, das Leid zu stoppen.

Bleib verrückt, bleib mitfühlend.

Deine Crazy Vegan Neighbor 💚 Kirsten

Quellen und weiterführende Links

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